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Ansprechpartnerin

Katharina Kraatz

fachliche Leitung der DRK-Praxis für Ergotherapie

Tel: 03949 51420 - 130
ergotherapie[at]drk-boerde[dot]de

Praxis für Ergotherapie
DRK-Zentrum "Am Hackelberg"
Hackelberg 6
39387 Oschersleben

Ergotherapie in der Neurologie

Neurologie ist die Lehre von den Erkrankungen des Nervensystems.

Zum menschlichen Nervensystem gehören das Zentralnervensystem, also Gehirn und Rückenmark, sowie das periphere Nervensystem, das sind die Nervenleitbahnen, die außerhalb vom Gehirn und Rückenmark am Körper entlang ziehen und Verbindungsstrukturen zur Muskulatur haben.

Im Fachgebiet der Neurologie behandeln wir also Patienten nach einem Schlaganfall, nach Schädel-Hirn-Verletzungen, mit Querschnitt-Lähmungen, mit Multiple Sklerose oder mit Parkinson Syndrom und ähnlichen Krankheitsbildern.

Durch diese verschiedenen neurologischen Erkrankungen erleiden die Patienten unterschiedliche Verluste ihrer körperlichen und geistigen Funktionen und Fähigkeiten.

So kann ein Patient nach einem Schlaganfall (med. = Apoplex) die Fähigkeit verloren haben, den Arm und/oder das Bein einer Körperhälfte eigenständig zu bewegen oder zu spüren, so dass er nicht mehr selbständig laufen kann oder den Arm im Alltag nicht mit einbeziehen kann. Aber auch der Verlust der Sprache, teilweise oder komplett, kann die Folge eines Schlaganfalles sein. Ebenfalls zeigen viele Patienten Auffälligkeiten ihrer geistigen Fähigkeiten, wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis. Der Patient kann ebenso verlernt haben, sich richtig anzuziehen, mit Zahlen umzugehen oder lesen und schreiben zu können.

Neurologische Erkrankungen und Verletzungen weisen in der Regel sehr komplexe Störungsbilder auf. Es    können einzelne Schwierigkeiten oder auch mehrere in Kombination auftreten. Im ungünstigen Fall kann der Betroffene nicht mehr allein in seiner Wohnung leben, einem Beruf nachgehen oder seine    Freizeitbeschäftigungen ausüben. Diese Störungen bilden sich vergleichsweise langsam und nur selten    vollständig zurück.

 

Patienten mit solchen vielschichtigen Störungen sind auf eine umfangreiche therapeutische Betreuung durch die verschiedenen Therapiegruppen, wie Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie angewiesen.

Der Ergotherapie stehen zur Behandlung ihrer neurologischen Patienten verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung, wie z. B. das Bobath - Konzept, PNF, Basale Stimulation®, Perfetti, Affolter, Jean Ayres, Mobilisation nervaler Strukturen, Johnstone, Castillo Morales oder andere ähnliche Konzepte. Aber auch alternative Therapiemethoden wie das medizinische Tape, Fußreflexzonenmassage, Hot – Stone - Massagen können hier zum Einsatz kommen.

Behandlungsmethoden und Zielsetzungen in der Ergotherapie

Ziel der Behandlung ist das Wiedererlangen sowie der Erhalt der Handlungsfähigkeit und damit größtmöglicher Selbständigkeit und Unabhängigkeit von Hilfen und Hilfspersonen im täglichen Leben und im Beruf.

Nachdem es zwischen dem Patient und dem Ergotherapeuten einen Erstkontakt gegeben hat, nimmt der Therapeut einen umfangreichen Befund auf, um festzustellen, über welche Fähigkeiten der Patient verfügt und welche ihm durch seine Erkrankung verloren gegangen sind. Dies wird gemeinsam mit dem Patient und seinen Angehörigen besprochen, um die Therapieschwerpunkte und Ziele für Therapie festzulegen.

Unter Einsatz verschiedener Medien und Therapiemittel können dann zum Beispiel folgende Maßnahmen Inhalt einer ergotherapeutischen Behandlung sein:

  • Hemmung und Abbau krankhafter und ungünstiger Haltungs- und Bewegungsmuster und Erlernen und Üben normaler Bewegungen
  • Schulung der Körperwahrnehmung und sensorischer Fähigkeiten
  • Behandlung von Störungen der Grob- und Feinmotorik, vor allem der oberen Extremität, wie z.B. das Trainieren der Greiffunktion der Hände oder Erlernen von Ersatztechniken
  • Verbesserung von Gleichgewichtsempfindungen und der Gleichgewichtsreaktionen
  • Verbesserung von neuropsychologischen Defiziten und Einschränkungen der geistigen Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis oder Lese-Sinn-Verständnis
  • Training von Alltagsaktivitäten im Hinblick auf die persönliche, häusliche und berufliche Selbständigkeit, wie alltägliche Routinen: Waschen, Ankleiden oder Essen
  • Beratung bezüglich geeigneter Hilfsmittel und Änderungen im häuslichen und beruflichen Umfeld, eventuell Anpassung von Hilfsmitteln

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Die ergotherapeutischen Maßnahmen werden nach einer Erkrankung vorwiegend in Rehabilitationszentren durchgeführt. Nach der Entlassung wird in den meisten Fällen diese Therapie auch ambulant fortgesetzt, je nach Bedarf und Fähigkeiten des Patienten in einer ambulanten Praxis oder direkt im Hausbesuch.

Durch regelmäßige Zwischenbefunde und Dokumentation des Behandlungsablaufes im Verlauf der Therapiemaßnahme entsteht die Möglichkeit, die Ziele dem Verlauf der Behandlung anzupassen.
 

Um eine ergotherapeutische Maßnahme in Anspruch nehmen zu können, bedarf es der ärztlichen Verordnung. Dieser verordnet je nach Schwere der Krankheit und dem damit verbundenen Störungsbild die Art der Maßnahme, die wöchentliche Frequenz sowie gegebenenfalls einen Hausbesuch.

Maßnahmen in der Ergotherapie

Die vorrangige Maßnahme bei neurologischen Erkrankungen ist die sensomotorisch – perzeptive Behandlung.

Dies ist ein sehr komplexes Behandlungsverfahren und dient der Behandlung neurologischer Erkrankungen und den daraus resultieren vielseitigen Fähigkeitsstörungen. Das heißt, der Ergotherapeut kann mit seiner Behandlung die motorischen, die sensorischen und geistigen Fähigkeiten schulen und trainieren. Es geht also um Bewegung, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und harmonisches Zusammenwirken dieser Einzelaspekte.

Die sensomotorisch – perzeptive Behandlung dauert 45 Minuten und wird 2 bis 3 mal wöchentlich durchgeführt, kann bei Bedarf in kürzeren Abständen durchgeführt werden.

Als optionale Maßnahme kann der Arzt ebenfalls die motorisch-funktionelle Behandlung  verordnen.

Diese dient der gezielten Schulung ausschließlich motorischer Funktionsstörungen, die durch eine neurologische Erkrankung entstanden sind.

Die Behandlungsdauer der motorisch – funktionellen Behandlung beträgt 30 Minuten und wird 1 bis 2 mal wöchentlich durchgeführt.

Des Weiteren kann der verordnete Arzt die Maßnahme Hirnleistungstraining als optionales Heilmittel verschreiben.

Diese ergotherapeutische Behandlungsmaßnahme dient der gezielten Therapie krankheitsbedingter Störungen der neuropsychologischen Hirnfunktionen, wie die kognitiven Funktionen Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis.

Die therapeutische Maßnahme Hirnleistungstraining dauert 30 Minuten und wird 1 bis 2 mal wöchentlich durchgeführt.